{"id":210,"date":"2023-03-18T13:12:00","date_gmt":"2023-03-18T13:12:00","guid":{"rendered":"https:\/\/solikreis.org\/?p=210"},"modified":"2025-10-20T16:13:45","modified_gmt":"2025-10-20T16:13:45","slug":"grusswort-in-der-sonderzeitung-der-roten-hilfe-zum-18-maerz-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/solikreis.org\/index.php\/2023\/03\/18\/grusswort-in-der-sonderzeitung-der-roten-hilfe-zum-18-maerz-2023\/","title":{"rendered":"Gru\u00dfwort in der Sonderzeitung der Roten Hilfe zum 18.M\u00e4rz 2023"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201eUnb\u00e4ndige Freude und Kraft, die man sp\u00fcrt, wenn Genoss*innen ihre Solidarit\u00e4t zeigen\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Gru\u00dfwort von Jo aus der JVA Ravensburg<\/p>\n\n\n\n<p>Vorbemerkung von Genoss*innen von Jo aus der \u201eAntifa bleibt Notwendig\u201c-Kampagne: Das nachfolgende Gru\u00dfwort von Jo ist im Dezember 2022 entstanden, nachdem die&nbsp; beschriebenen Regelungen zum Gassparen in den Kn\u00e4sten in Baden-W\u00fcrttemberg eingef\u00fchrt wurden. Das Gru\u00dfwort hat ganze f\u00fcnf Wochen gebraucht, bis es \u00fcber den regul\u00e4ren Postweg zu uns nach drau\u00dfen gelangt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Das eigentliche Gru\u00dfwort f\u00fcr diese Ausgabe der Sonderzeitung zum Internationalen Tag der politischen Gefangenen ist auf dem Briefweg verz\u00f6gert oder aufgehalten worden \u2013 welche Ironie \u2013 und hat es leider nicht mehr rechtzeitig nach drau\u00dfen geschafft.Umso deutlicher best\u00e4tigt sich noch einmal, wie wichtig es ist, dass wir unsere Gefangenen nicht vergessen und ihnen Briefe schreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Genoss*innen,<\/p>\n\n\n\n<p>tagt\u00e4glich lesen wir in der Zeitung und sehen wir im Fernsehen, dass wir anscheinend kurz vor einem Black-Out stehen, wenn nicht jede*r auf Duschen verzichtet und die Wohnung nur noch mit Kerzen beleuchtet.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die unbezahlbaren Stromkosten gibt es jetzt den symbolischen Energiepreisdeckel, um den Widerstand in der Bev\u00f6lkerung gegen die Teuerungen in jedem Lebensbereich und den Wirtschaftskrieg gegen Russland m\u00f6glichst klein zuhalten. Man macht sich was vor, wenn man denkt, dass Politiker*innen, die uns statt der Dusche den Griff zum Waschlappen empfehlen, uns mit diesem Preisdeckel was Gutes tun wollen. Nein, da geht es nur darum, die Bev\u00f6lkerung ruhig zuhalten. F\u00fcr die Interessen der Reichen, die in diesem Staat das Sagen haben, sollen wir im Winter frieren und haben am Ende des Monats trotzdem nicht genug Geld, um den Wocheneinkauf zu bezahlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Politiker*innen sind sich ihrer Macht nicht sicher genug, um den Menschen drau\u00dfen in Freiheit die t\u00e4gliche Dusche oder die warme Wohnung zu verbieten. Aber bei uns Gefangenen haben sie keine so gro\u00dfen Bedenken. Wenn man einfach die Zelle zuschlie\u00dfen kann, muss man sich wenig Sorgen vor einem hei\u00dfen Herbst oder Wutwinter machen.<br>So wurde uns vor einigen Wochen mitgeteilt, dass das Justizministerium beschlossen hat, unsere Zellen ab jetzt tags\u00fcber nur noch auf 20 Grad, nachts h\u00f6chstens auf 16 Grad Celsius zu beheizen. Dazu kommt, dass ein Gro\u00dfteil unserer Duschm\u00f6glichkeiten weg f\u00e4llt. Vor und nach der Arbeit, an Wochenenden und vor allem vor Besuchen d\u00fcrfen wir nicht mehr duschen. Viele von uns arbeiten in Betrieben, in denen man nach acht Stunden schwerer Arbeit durch geschwitzt und verdreckt ist. Zum Beispiel sind meine Arme und mein Gesicht nach meiner T\u00e4tigkeit in der Schlosserei oft schwarz vom \u00f6ligen Stahl, den ich bearbeite. Wenn ich montags Besuch habe, muss ich denen, die mir lieb sind und die ich sowieso viel zu selten sehe, verdreckt und seit Freitagabend ungewaschen gegen\u00fcbertreten. Duschen k\u00f6nnen wir n\u00e4mlich nur noch unter der Woche in der anderthalbst\u00fcndigen Freizeit am Abend, wo die Zeit mit Zelle putzen, Kochen und Telefonieren auch so schon knapp ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei allen Entbehrungen, denen man im Knast sowieso und in Zeiten der Energiekrise noch mehr ausgesetzt ist, gibt es einem aber viel Kraft, wenn man die Solidarit\u00e4t der Menschen da drau\u00dfen sp\u00fcrt. Hinter den Knastmauern lebt man wie in einer Parallelwelt, die Geschehnisse, die Leute und die Gesellschaft drau\u00dfen wirken sehr weit weg.<br>Da ist man froh \u00fcber jeden Moment, in dem man sp\u00fcrt, dass man nicht vergessen wird und nicht alleine ist, sei es durch Briefe, Feuerwerk vor dem Knast oder alle anderen, die einen irgendwie erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere St\u00e4rke liegt in unserer Solidarit\u00e4t, das ist keine leere Floskel. Die unb\u00e4ndige Freude und Kraft, die man sp\u00fcrt, wenn Genoss*innen ihre Solidarit\u00e4t zeigen, l\u00e4sst sich nur schwer beschreiben und kann \u2013 wenn auch nur f\u00fcr ein paar kurze Augenblicke \u2013 die Gef\u00e4ngnismauern \u00fcberwinden. Egal wie hoch sie sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Jo, aktuell inhaftiert in der JVA Ravensburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eUnb\u00e4ndige Freude und Kraft, die man sp\u00fcrt, wenn Genoss*innen ihre Solidarit\u00e4t zeigen\u201c Gru\u00dfwort von Jo aus der JVA Ravensburg Vorbemerkung von Genoss*innen von Jo aus der \u201eAntifa bleibt Notwendig\u201c-Kampagne: Das nachfolgende Gru\u00dfwort von Jo ist im Dezember 2022 entstanden, nachdem die&nbsp; beschriebenen Regelungen zum Gassparen in den Kn\u00e4sten in Baden-W\u00fcrttemberg eingef\u00fchrt wurden. 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