{"id":317,"date":"2021-06-16T16:50:00","date_gmt":"2021-06-16T16:50:00","guid":{"rendered":"https:\/\/solikreis.org\/?p=317"},"modified":"2025-12-01T16:52:42","modified_gmt":"2025-12-01T16:52:42","slug":"14-juni-2021-bericht-zum-8-prozesstag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/solikreis.org\/index.php\/2021\/06\/16\/14-juni-2021-bericht-zum-8-prozesstag\/","title":{"rendered":"14. Juni 2021: Bericht zum 8. Prozesstag"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Vernehmung der letzten Nazi-Zeugen sowie der Aussage mehrerer ermittelnder PolizeibeamtInnen ging das sogenannte \u201eWasen-Verfahren\u201d in seinen achten Prozesstag. Knapp 40 solidarische ProzessbesucherInnen unterst\u00fctzten die beiden angeklagten Antifaschisten Jo und Dy bei der Verhandlung im Stammheimer \u201eProzessbunker\u201d. Auch etwa 10 Nazis, darunter die F\u00fchrungskader von Zentrum Automobil, wohnten dem Verfahren bei. Eine halbe Hunderschaft der Stuttgarter Polizei sicherte erneut das Gerichtsgeb\u00e4ude. Hinter den Eingangst\u00fcren \u00fcbernahm dann die \u201eSicherungsgruppe Stuttgart (SGS)\u201d, eine speziell ausger\u00fcstete und gesicherte Einsatzgruppe der Stuttgarter Justiz, welche das Verfahren sowie die Kontrollen der BesucherInnen seit Beginn abwickelt. Neu war die willk\u00fcrliche Platzvergabe im Verhandlungssaal. Anscheinend achten die Justizbeamten jetzt bewusst darauf, solidarische ProzessbesucherInnen m\u00f6glichst weit weg vom Angeklagten Dy zu setzen. Verfahrensbeginn war erst um 9.30 Uhr, daf\u00fcr wurde bis 16 Uhr verhandelt.<\/p>\n\n\n<a class=\"wp-block-read-more\" href=\"https:\/\/solikreis.org\/index.php\/2021\/06\/16\/14-juni-2021-bericht-zum-8-prozesstag\/\" target=\"_self\">Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\">: 14. Juni 2021: Bericht zum 8. Prozesstag<\/span><\/a>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zentrum Automobil zeigt sich vor Gericht<\/strong><br>W\u00e4hrend die unmittelbare Unterst\u00fctzung der drei Nebenkl\u00e4ger Thut, Dippon und Ziegler mittlerweile fast ausschlie\u00dflich vom NPD-Landesverband kommt, besuchte am heutigen Verhandlungstag das erste Mal seit Langem wieder eine gr\u00f6\u00dfere Gruppe Zentrums-Miglieder das Verfahren. Anlass waren sicherlich die Zeugenaussagen der ZA-Mitglieder Rico Heise und Hans Jaus sowie dem auf Honorarbasis bei ZA besch\u00e4ftigten, faschistischen Filmemacher Simon Kaupert aus Halle an der Saale.<br>Zur Unterst\u00fctzung der drei waren neben ZA-F\u00fchrungsfigur Oliver Hilburger auch Thomas Scharfy, Andreas Brandmaier (zudem AfD-Bezirksbeirat in Zuffenhausen) sowie Christian Schickart und Vidoje Anicic erschienen. Anders als an den bisherigen Verhandlungstagen wurde die Gruppe durch die eingesetzten Justizbeamten im abgesperrten Bereich vor dem Gerichtsgeb\u00e4ude geduldet und konnte so auch Pl\u00e4tze im Verhandlungssaal ergattern. Bemerkenswert war zudem ein von Oliver Hilburger mitgef\u00fchrtes gro\u00dfes Klappmesser, welches bei der Durchsuchung in der Schleuse gefunden wurde. Hilburger musste das Messer abgeben, erhielt es aber beim Verlassen des Gerichtssaals wieder zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die letzten Nazis sagen aus<\/strong><br>Gleich zu Verfahrensbeginn wurde der ehemalige IB-Kader sowie EinProzent-Aktivist Simon Kaupert als Zeuge vernommen. Kaupert gab an, seit den Betriebsratswahlen 2018 auf Honorarbasis f\u00fcr Zentrum zu arbeiten. Es g\u00e4be eine Art \u201eGeneralauftrag\u201d, er selbst sei nur weisungsgebundener Subunternehmer. Seine T\u00e4tigkeiten umfassen das Redenschreiben, sowie die Gestaltung von Grafiken und das Erstellen von Videos. Auch die von ZA im Internet ver\u00f6ffentlichten Videos zum \u201eWasen-Ereignis\u201d habe er gedreht und produziert.<br>Am Tattag h\u00e4tte er sich am Parkhaus P1 mit einer gr\u00f6\u00dferen Gruppe getroffen, so Kaupert. Er sei als Filmemacher im Einsatz gewesen, jedoch ohne konkreten Auftrag. Momentan arbeite er an einer eigenen Produktion zu Querdenken, das Material von damals k\u00f6nne er da verwenden. Sein erster Reflex beim \u201e\u00dcberfall\u201d sei es gewesen, die Kamera hochzurei\u00dfen und zu filmen \u2013 nicht etwa seinen Kameraden in der Auseinandersetzung zu helfen. Enstanden sind dadurch drei kurze Video-Sequenzen, welche er der Polizei zur Verf\u00fcgung gestellt hat und zudem in ZA-Videos verarbeitet hat. Aus den verwackelten Bildern konnte die Polizei sp\u00e4ter 19 unscharfe Fotos von mutma\u00dflich Tatbeteiligten herausarbeiten. Alle Personen sind von hinten abgebildet und zumeist schwarz gekleidet und vermummt. Zum Tatgeschehen selbst k\u00f6nne er nichts sagen, Gegenst\u00e4nde bei den AngreiferInnen habe er nicht gesehen. Auch das Andreas Ziegler am Tag als Personensch\u00fctzer f\u00fcr Oliver Hilburger im Einsatz war, habe er nicht gewusst. Nach der Flucht der AngreiferInnen habe er sich an der Versorgung der Verletzten beteiligt und sei danach mit allen anderen auf die Querdenken-Demo gegangen. Dieser Aussage widersprechen Bilder und Social-Media-Beitr\u00e4ge vom Tattag. Sie zeigen den verletzt am Boden liegenden Ziegler, sowie Rettungskr\u00e4fte und Polizei. Bilder und die Verarbeitung in den sozialen Medien legen nah, dass Kaupert sich eben nicht an der Erstversorgung beteiligte, sondern mit Kamera und Handy die Situation so dokumentierte, dass sie sp\u00e4ter medial verwertet werden konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von der Verteidigung auf die von ihm mit Falschinformationen produzierten Videos angesprochen, antwortete Kaupert, der Beschluss, die Videos zu machen sei vom ZA-Vorstand (Hilburger, Jaus, Schickart) gekommen. Auch die Info, es seien 16 Schlagringe sowie Kleidungs\u00e4cke gefunden worden, sei vom Vorstand, konkret von Oliver Hilburger gekommen. Inwieweit von Hilburger hier bewusst und gezielt Fehlinformationen in Umlauf gebracht wurden, konnte die Vernehmung von Simon Kaupert nicht kl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben Kaupert sagte auch Zentrums-Mitglied Rico Heise aus. Heise, fr\u00fcher Mitglied bei \u201eMotorradstaffel Kreuzeiche Germania\u201c, ist im Blood &amp; Honour-Milieu gut vernetzt und musste bereits im NSU-Untersuchungsausschuss aussagen. Dort wurde bekannt, dass fr\u00fchere Geburtstagspartys von ihm, einem Stelldichein der bundesdeutschen Naziszene glichen.<br>Heise selbst war am 16. Mai 2020 ebenfalls auf bzw. am Cannstatter Wasen. Er war mit seinem Freund Jens Ackermann sowie Kollegen unterwegs. Vom Angriff selbst habe er nichts mitbekommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als letzter Nazi-Zeuge war ZA-F\u00fchrungsfigur und Ex-Wikingjugend-Kassenwart Hans Jaus geladen. Auch Jaus hatte die Tat nicht mitbekommen und wurde durch andere darauf aufmerksam gemacht. Er sei dann mit anderen zum Tatort geeilt und habe dort die Verletzten gesehen. Begleitet wurde er von Timo Schwarg. Am Tatort habe er an Andreas Zieglers Finger keine \u201eBiker-Ringe\u201d gesehen, seiner Erkenntnis nach waren die Gesch\u00e4digten in keinen Personenschutz eingebunden.<br>Oliver Hilburger hatte in seiner Zeugenaussage angegeben, dass Hans Jaus den Schutz der ZA-Gruppe organisiert habe. Jaus widerspricht dieser Angabe zuerst, muss auf R\u00fcckfrage der Verteidigung jedoch eingestehen, dass er bereits eine Woche vor dem Angriff den Schutz von Oliver Hilburger organisiert hatte. Angesprochen auf ein Team der rechten Zeitung \u201eCompact\u201d welchen ebenfalls mit Personenschutz ausgestattet war, leugnet Jaus auch hier einen Kontakt, muss aber sp\u00e4ter zugeben, dass er mit dem Chefredakteur pers\u00f6nlich bekannt sei.<br>Hans Jaus widerspricht sich nicht nur st\u00e4ndig vor Gericht, er legt auch cholerische Anwandlungen an den Tag. Sein respektloses Verhalten gegen\u00fcber dem Gericht wird von der Verteidigung ger\u00fcgt, bleibt jedoch ohne Konsequenzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dubravko Mandic, Nebenklageanwalt von Andreas Ziegler, verlas eine Erkl\u00e4rung in der er zu Protokoll gab, dass Ziegler kein professioneller Personensch\u00fctzer sei sondern am Tattag privat unterwegs gewesen sei.<br>Ziegler selbst ma\u00df wesentlichen Teilen des Verhandungstags wenig Aufmerksamkeit bei sondern starrte durch die gro\u00dfe Glaswand in den ZuschauerInnenraum und zeigte einzelnen BesucherInnen den Mittelfinger. Erst auf Ansprache durch Justizbeamte drehte er sich wieder dem Gericht zu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Polizei-Zeugen<\/strong><br>Vervollst\u00e4ndigt wurden der Prozesstag durch die Aussage zweier Polizeibeamter. Ein Polizeikommissar der Polizeiinspektion 8 (Arbeitsbereich 801 \u2013 Kriminaltechnik) aus der Stuttgarter Hahnemann-Wache hatte kriminaltechnische Ma\u00dfnahmen am Tatort vorgenommen. Er sicherte Spuren auf dem Fu\u00dfweg sowie am Nebenkl\u00e4ger Ingo Thut (Verletzungen sowie Beschlagnahmung der Oberkleidung). Am Tatort seien zudem eine medizinische Maske, ein Flaschenhals, ein Schlagring, Thuts Uhr sowie ein Tierabwehrger\u00e4t gefunden worden. Am Magazin des Tierabwehrger\u00e4ts sei ein dunkles Haar eingeklemmt gewesen.<br>Der zweite Polizeizeuge war am Tattag als Kriminalbeamter auf der Wasenwache direkt auf dem Cannstatter Wasen stationiert. Am Tatort hatte er die Anzeige von Ingo Thut aufgenommen und den Ablauf der Polizeiarbeit koordiniert. Es sei Standard, dass in solchen F\u00e4llen \u201eErst-Teams\u201d die unmittelbare Arbeit machen und den Fall sp\u00e4ter an die zust\u00e4ndige Abteilung, in diesem Fall die Abteilung 6 (Staatsschutz) weiterg\u00e4be. Er selbst habe nach dem Tattag nicht in der Ermittungsgruppe \u201eArena\u201d mitgearbeitet, aber trotzdem die verwackelten Bilder von Simon Kaupert mit Bilder verglichen, die die EG \u201eArena\u201d zusammen gestellt habe. Er meinte, ein Foto weise in der Frage der Statur eine gewisse \u00c4hnlichkeit mit dem angeklagten Antifaschisten Jo auf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Exkurs: Mandic-Z\u00f6gling greift Passant in Freiburg mit Messer an<\/strong><br>Im Wasen-Verfahren wird Andreas Ziegler von Ex-AfD-Mitglied Dubravko Mandic vertreten. Mandic ist Gemeinderat in Freiburg und bekennender Faschist. 2019 hatte der Anwalt Mandic gemeinsam mit dem AfD-Gemeinderatskandidaten Robert Hagerman AktivistInnen aufgelauert, die rassistische Wahlplakate in der Freiburger Innenstadt entfernen wollten. Mandic und Hagerman hatten die AktivistInnen damals geplant \u00fcberfallen und k\u00f6rperlich angegriffen.<br>Mandics damaliger \u201eSchl\u00e4ger-Kompagnon\u201d Hagerman wurde jetzt am vergangenen Wochenende in Freiburg verhaftet. Er hatte einen B\u00fcrger, welcher zwei von Hagerman gepfefferten AntifaschistInnen half, mit dem Messer angegriffen und schwer verletzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Anschluss an den Verhandlungstag gr\u00fc\u00dften die solidarischen ProzessbesucherInnen wie \u00fcblich Dy, der vom Gerichtsgeb\u00e4ude in die JVA gefahren wurde.<br>Der n\u00e4chste Prozesstermin findet am <strong>1<\/strong><strong>7<\/strong><strong>. Juni 2021<\/strong> in Stammheim statt. Wir rufen erneut zur solidarischen Prozessbegleitung ab 8 Uhr auf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Vernehmung der letzten Nazi-Zeugen sowie der Aussage mehrerer ermittelnder PolizeibeamtInnen ging das sogenannte \u201eWasen-Verfahren\u201d in seinen achten Prozesstag. Knapp 40 solidarische ProzessbesucherInnen unterst\u00fctzten die beiden angeklagten Antifaschisten Jo und Dy bei der Verhandlung im Stammheimer \u201eProzessbunker\u201d. Auch etwa 10 Nazis, darunter die F\u00fchrungskader von Zentrum Automobil, wohnten dem Verfahren bei. 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