{"id":325,"date":"2021-06-08T13:12:00","date_gmt":"2021-06-08T13:12:00","guid":{"rendered":"https:\/\/solikreis.org\/?p=325"},"modified":"2026-04-29T11:11:47","modified_gmt":"2026-04-29T11:11:47","slug":"7-juni-2021-bericht-zum-6-prozesstag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/solikreis.org\/index.php\/2021\/06\/08\/7-juni-2021-bericht-zum-6-prozesstag\/","title":{"rendered":"7. Juni 2021: Bericht zum 6. Prozesstag"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"512\" src=\"https:\/\/solikreis.org\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Prozessbegleitung-768x512-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-326\" srcset=\"https:\/\/solikreis.org\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Prozessbegleitung-768x512-1.jpg 768w, https:\/\/solikreis.org\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Prozessbegleitung-768x512-1-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Nach dreiw\u00f6chiger Prozesspause rund um Pfingsten wurde am 7. Juni 2021 das Verfahren gegen die beiden Antifaschisten Jo und Dy vor dem Stuttgarter Landgericht fortgesetzt. Erneut beteiligten sich zeitweilig \u00fcber 40 Menschen an einer solidarischen Prozessbeobachtung im Gerichtssaal und einer Kundgebung auf dem Gerichtsparkplatz.<\/p>\n\n\n<a class=\"wp-block-read-more\" href=\"https:\/\/solikreis.org\/index.php\/2021\/06\/08\/7-juni-2021-bericht-zum-6-prozesstag\/\" target=\"_self\">Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\">: 7. Juni 2021: Bericht zum 6. Prozesstag<\/span><\/a>\n\n\n<p>Wie bereits einige Wochen zuvor nahmen etwa 10 Nazis die Aussage des Hauptgesch\u00e4digten Andreas Ziegler zum Anlass am Gerichtsgeb\u00e4ude in Stuttgart-Stammheim aufzuschlagen. Die Stuttgarter Polizei sicherte das Gerichtsgeb\u00e4ude mit mehreren Dutzend Beamten der Bereitschaftspolizei sowie Hamburger Gittern. Der Prozess begann um 9.20 Uhr und endete um 16.15 Uhr.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im Gerichtssaal wenig Neues<\/strong><br>Mit Spannung wurde von allen Beteiligten die auf den heutigen Verhandlungstag per richterlicher Anordnung festgelegte Aussage von Andreas Ziegler erwartet. Bisher hatte der Nazi mit Verweis auf seinen psychischen Zustand eine Aussage vor Gericht mehrfach verweigert.<br>Ziegler war am Tattag mit anderen Mitgliedern der Gruppe \u201eZentrum Automobil\u201c am Stadiongel\u00e4nde in der N\u00e4he des Canstatter Wasen unterwegs und wurde dort in die Auseinandersetzung mit AntifaschistInnen verwickelt. In Folge der Verletzungen, die er w\u00e4hrend der Schl\u00e4gerei erlitt, wurde das Zentrum-Gr\u00fcndungsmitglied f\u00fcr 8 Wochen ins k\u00fcnstliche Koma versetzt, erholte sich jedoch im Anschluss in einer Reha-Einrichtung z\u00fcgig von den Verletzungen. Bleibende Sch\u00e4den erlitt er nicht. An den Tatablauf sowie die zwei bzw. drei Tage davor k\u00f6nne er sich nicht mehr erinnern.<br>Zieglers Aussage nahm letztlich trotzdem weite Teile des Verhandlungstags ein und war, wie bei fast allen bisherigen Nazi-Zeugen, von Widerspr\u00fcchen und Unwahrheiten gepr\u00e4gt. Ungefragt und zu einem fr\u00fchen Zeitpunkt seiner Aussage ging Andreas Ziegler auf den bei ihm am Tatort gefundenen Schlagring und seine am K\u00f6rper getragenen Protektoren ein. Er gab an, dass es sich bei dem Schlagring, an dem seine DNA festgestellt wurde, vermutlich um sein Biker-Ringe handle, die er zur Zier tragen w\u00fcrde. Er erg\u00e4nzte, dass er neben den, am 16. Mai 2020, getragenen Protektoren, auch eine stichsichere Weste bes\u00e4\u00dfe, aber am Tag der Auseinandersetzung keine Offensiv-Waffen mit sich f\u00fchrte. Stellenweise wirkte die Aussage zu diesen Punkten wie einstudiert. Das verwundert wenig, schlie\u00dflich war \u201eZentrum Automobil\u201c mit Bekanntwerden der Bewaffnung Zieglers am zweiten Prozesstag politisch in die Defensive geraten.<br>Ziegler wisse sich selbst zu verteidigen f\u00fchrte er weiter aus und bes\u00e4\u00dfe zu Hause einen Bogen sowie Schwerter mit denen er Mittelaltersk\u00e4mpfe nachstelle. Sp\u00e4testens zu diesem Zeitpunkt verlies das Zentrums Mitglied augenscheinlich die vorher festgelegte Aussage-Stratgie. Am Tattag sei er, Ziegler, zum Schutz von Oliver Hilburger abgestellt gewesen, auch in vergangenen Wahlk\u00e4mpfen habe er bereits als Personensch\u00fctzer bzw. Security gearbeitet. F\u00fcr die AfD. Ob mit oder ohne Bezahlung lies Andreas Ziegler offen.<br>Auch Ziegler lies es sich, wie bereits seine Kameraden Thut und Dippon, in seinen Ausf\u00fchrungen vor Gericht nicht nehmen, die IGM als Auftraggeberin des Angriffs am Cannstatter Wasen zu beschuldigen. Er verstieg sich gar in der These, dass Daimler-Betriebsr\u00e4te einen Farbangriff auf sein Wohnhaus, welches als Sitz des Zentrums-Vereins dient, begangen zu haben. Sein Beleg: Rote Daimler-Signalfarbe.<br>Immer wieder wurde Andreas Ziegler von seinem Anwalt Dubravko Mandic unterbrochen und korrigiert. Nicht nur Mandic, sondern auch die beiden anderen Nebenkl\u00e4ger, Ingo Thut und Jens Dippon, wurden mit zunehmender Dauer der Zieglerschen Aussage mehr und mehr unruhig. Wie sehr sich Andreas Ziegler mit seinen Ausf\u00fchrungen der Strategie der Nebenklage schadete, zeigte die im Gerichtsprotokoll festgehaltene Reaktion von Ingo Thut. W\u00e4hrend Ziegler sich \u00fcber die Verbindungen des Veranstaltungsunternehmens VTS, dessen f\u00fcr die Querdenken-Demo geplanten Fahrzeuge durch einen Brandanschlag zerst\u00f6rt wurden, zu den Hells Angels auslie\u00df, bat Thut Anwalt Mandic mit den Worten \u201eMan muss ihn stoppen, man muss ihn stoppen! Herr Mandic, Herr Mandic\u2026\u201d Andreas Ziegler zu stoppen. Desweiteren gab Ziegler vor Gericht an, dass er von den f\u00fcr ihn gesammelten Spendengeldern bis heute keinen Cent gesehen h\u00e4tte. Was mit dem Geld stattdessen passiert ist wisse er nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Im weiteren Verlauf der Verhandlung wurden zwei AugenzeugInnen befragt, die wenig bis nichts zum Tatgeschehen sagen konnten. Gleiches gilt f\u00fcr einen Kriminaltechniker, der ausschlie\u00dflich als Sachbearbeiter am Verfahren beteiligt war. Die letzte Aussage des Tages kam von einem Kriminalhauptkommissar, der am 16. Mai 2020 im Bereitschaftsdienst auf der Wasen-Wache eingesetzt war. Er berichtete von einer Polizei-Kontrolle am Tattag. Beamte der Bereitschaftspolizei hatten damals Jo und f\u00fcnf weitere Beschuldigte im weiteren Umfeld des Cannstatter Wasens kontrolliert. Bei dieser Kontrolle wurden z.T. Arbeitshandschuhe, lange Wechselkleidung sowie M\u00fctzen gefunden. Zudem meinten die eingesetzten Beamten damals an Jo\u2019s Hand R\u00f6tungen feststellen zu k\u00f6nnen. Alle Kontrollierten wurden in die Wasen-Wache zur weiteren \u201cBearbeitung\u201d \u00fcberstellt. Dort wurden sie vom Kriminalhauptkommissar \u00fcbernommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der ebenfalls f\u00fcr den 7. Juni geladene faschistische Filmemacher Simon Kaupert von EinProzent lies sich entschuldigen. Er sei vor Kurzem zum dritten Mal Vater geworden, m\u00fcsse sich deswegen um die Kinderbetreuung k\u00fcmmern und k\u00f6nne nicht vor Gericht erscheinen. F\u00fcr den Richter war dies keine ausreichende Begr\u00fcndung, er lud Kaupert auf den 14. Juni 2021 erneut vor. Am gleichen Tag muss dann auch Zentrum-Mitglied Rico Heise aussagen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>NPD und Zentrum: Ein (neues) B\u00fcndnis?<\/strong><br>Keine Unterst\u00fctzung erhielt Andreas Ziegler bei seiner Aussage von seinem eigenen Verein: Keiner der Zentrums-K\u00f6pfe begleitete ihn nach Stammheim oder war im Gerichtssaal anwesend. Einzig seine neue Lebensgef\u00e4hrtin Christiane Schmauder, die das Gericht heute zum ersten Mal mit einem Presseausweis betrat, unterst\u00fctze Ziegler.<\/p>\n\n\n\n<p>In die praktische Leerstelle die Zentrum und AfD l\u00e4sst, scheint daf\u00fcr der NPD-Landesverband Baden-W\u00fcrttemberg zu sto\u00dfen. Unter F\u00fchrung der stellvertretenden Landesvorsitzenden Marina Djonovic, waren ganze 12 Nazis aus dem Umfeld der Nationaldemokraten angereist. Unter ihnen auch der rechte Youtuber Michael Stecher sowie Sebastian Thalheimer. Inwieweit die Freundschaft zwischen Djonovic und Schmauder Mitausl\u00f6ser f\u00fcr die faschistische Mobilmachung ist, bleibt Spekulation. Fakt ist, dass der k\u00fcmmerliche Haufen des ehemals so stolzen NPD-Landesverbands, augenscheinlich das Verfahren als politischen Schwerpunkt f\u00fcr sich auserkoren hat. Vor dem Gerichtsgeb\u00e4ude posierten die Faschisten mit selbst gemalten Schildern auf denen u.A. die Abschiebung des kurdischen Antifaschisten Dy forderten. Die Nazis der NPD lie\u00dfen den Abend gemeinsam mit Andreas Ziegler und Christiane Schmauder in der Herrenberger Kneipe \u201eH\u00fctten Gaudi\u201c von NPD\u2018ler-Janus Nowak ausklingen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Repression gegen solidarische ProzessbesucherInnen<\/strong><br>Derweil geht die Stuttgarter Justiz gegen solidarische ProzessbesucherInnen vor. So erhielt ein Aktivist vergangene Woche einen Strafbefehl \u00fcber 90 Tagess\u00e4tzen und insgesamt mehrere tausend Euro. Im wird zur Last gelegt am zweiten Prozesstag einen pensionierten Lokaljournalisten der Ludwigsburger Kreiszeitung gesto\u00dfen zu haben. Dieser hatte sich zuvor ohne R\u00fccksicht auf die Pandemie durch die ZuschauerInnenschlage gedr\u00e4ngt, war dann aber selbst gestolpert und gefallen. Trotz unbeteiligter ZeugInnen, welche das Selbstverschulden auch gegen\u00fcber der Polizei best\u00e4tigten, wurde der Vorfall in ungew\u00f6hnlich kurzer Zeit zum Strafbefehl gemacht. Der Umstand macht deutlich: Die gro\u00dfe Solidarit\u00e4t in und vor dem Gericht ist den Beh\u00f6rden ein Dorn im Auge.<\/p>\n\n\n\n<p>Der n\u00e4chste Prozesstermin findet am 10. Juni 2021 in Stammheim statt. Wir rufen erneut zur solidarischen Prozessbegleitung ab 8 Uhr auf.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20240916195950\/https:\/\/freiheit-fuer-jo.org\/7-juni-2021-bericht-zum-6-prozesstag\/prozessbegleitung\/\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20240916195950im_\/https:\/\/freiheit-fuer-jo.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Prozessbegleitung-150x150.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20240916195950\/https:\/\/freiheit-fuer-jo.org\/7-juni-2021-bericht-zum-6-prozesstag\/bullen\/\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20240916195950im_\/https:\/\/freiheit-fuer-jo.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Bullen-150x150.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20240916195950\/https:\/\/freiheit-fuer-jo.org\/7-juni-2021-bericht-zum-6-prozesstag\/nazis\/\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20240916195950im_\/https:\/\/freiheit-fuer-jo.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Nazis-150x150.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20240916195950\/https:\/\/freiheit-fuer-jo.org\/7-juni-2021-bericht-zum-6-prozesstag\/kundgebung\/\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20240916195950im_\/https:\/\/freiheit-fuer-jo.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Kundgebung-150x150.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dreiw\u00f6chiger Prozesspause rund um Pfingsten wurde am 7. 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